Der Tag, an dem ich Barbara Schöneberger kennenlernte

Hätte ich einen Euro für jedes Mal „Und, aufgeregt?“, „Na? Bist du schon nervös?“ oder „Freust du dich schon auf Barbara Schöneberger?“ bekommen, wäre ich jetzt wahrscheinlich drei Wochen auf einer karibischen Insel.

Auf einer Orthopädietechnik Messe in Leipzig war ich zu Gast auf dem Stand von medi und durfte drei Tage lang unheimlich viele freundliche Fachleute kennenlernen und tolle Gespräche führen. Auch wenn ich schon seit einiger Zeit viel auf Veranstaltungen unterwegs bin, war alles trotzdem aufregend für mich.

Schließlich habe ich die meiste Zeit in den letzten Jahren meinen Kram da raus in dieses Internetz geschickt und gar nicht geahnt, wie viele das wirklich erreicht.

Ich ging immer davon aus, dass die meisten Sanitätshaus-Fachleute mich nur von den Werbemitteln kennen. Doch auf der Messe wurde ich immer wieder von so liebem Feedback zu unserer Seite und den Erzählungen ihrer Kunden überrascht, dass es mich wirklich zutiefst berührte.

Zu viel Realität auf einmal

Ich bin ein Mensch, der ohne große Erwartungen an Sachen herangeht. Das ist womöglich auch der Grund, warum man mich so gut begeistern kann. Und wenn dann eine Welle von so viel positiven Erlebnissen über einen hinweg rollt, dann könnt ihr euch denken, wie platt ich war. Es ist ja nunmal so, dass das Internet nicht so wie die Realität funktioniert. Auch wenn tausende Nutzer die Beiträge sehen und lesen, kommt ja doch nur ein winziger Prozentsatz an Reaktion zurück. Dann bilden solche drei Tage direktes persönliches Feedback natürlich einen krassen Kontrast.

Und jetzt stellt euch vor, zwischen all diesen schönen Begegnungen, bekommt man auch noch die Gelegenheit, jemanden kennenzulernen, den man schon seit frühesten Teenagertagen verfolgt.

Ich war ein nervliches Wrack.

Zu nichts mehr zu gebrauchen, angespannt und aufgeregt bis unter die Arme. „Gott, oh Gott, wie soll das erst werden, wenn sie vor mir steht?“

Hallo …

Das war alles, was ich sagen konnte. Ein kleines Team von medianern, der Moderator und ich trafen uns in den VIP-Räumen der Messe und dann kam sie. Barbara Schöneberger betrat den Raum, indem wir auf sie warteten, ging auf mich zu uns schüttelte mir die Hand. „Hallo.“, bekam ich irgendwie heraus und dachte schon in dem Moment, dass das ja heiter werden kann mit mir. Wenn ich Quasselkopf so schon anfange, wo soll das dann enden?

Die Pressekonferenz

Wir trafen ein paar Herrschaften der Presse und ließen sie Fragen an Barbara stellen. Ich hielt mich im Hintergrund, denn schließlich waren sie doch wegen ihr dort. Und auf einmal kam eine fachliche Frage von einem Herren und sie bat mich einfach nach Vorne zu sich, um sie da ein wenig zu unterstützen.

Ab dem Moment passierte etwas. Mit ihr und mir.

Unsicher ging ich nach vorne, stellte mich neben Sie und begann endlich wieder in meinem Element zu sein und verlor sämtliche Anspannung. Wissen zu teilen war schon immer meine Leidenschaft und als dieses Wissen gefragt wurde, konnte ich gar nicht anders, als aufzublühen. Selbstbewusst konnte ich die spezielleren Fragen beantworten und mich nicht nur als Bloggerin, sondern auch als durchaus informierte Betroffene und vielleicht eben auch Botschafterin zeigen. Und da standen wir, Rundstrick- und Flachstrick-Botschafterinnen. Es fühlte sich an, als ob wir zu einem kleinen Duo mutierten und gemeinsam in unsere Mission starteten.

Zwei Frauen im Namen der Kompression. Debdedeee, dedededededeeeeee… *Hier Superman Theme summen*

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Der große Moment

Der eigentliche Höhepunkt war unser Gespräch, das wir auf der medi Standbühne führen durften. Denn dort kamen unsere beiden Schwerpunkte erst zusammen. Sie als Heldin in Rundstrick Strumpfhose und ich als Flachstrick Wonder Woman – gemeinsam zeigen, dass Kompression sowohl modisch, als auch medzinisch bereichern kann.

Interview mit Barbara Schöneberger und Caroline Sprott auf der OTWorld 2018 in Leipzig from medi GmbH & Co. KG on Vimeo.

Wie ihr euch nun denken könnt, bin ich auch in dieses Interview ohne wirkliche Erwartungen gegangen und konnte nur überwältigt werden. Barbara und ich kamen sehr schnell zusammen in einen tollen Austausch und sie zeigte sehr aufrichtig ihr Interesse für unsere Krankheit, die hinter der Flachstrickversorgung steht. Schonungslos und ehrlich erzählte ich viel über das Leben mit Lip- und Lymphödem und merkte gar nicht, wie schnell die Zeit verflog. Wir hätten womöglich Stunden dort gesessen und es wäre keine Sekunde langweilig geworden.

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„Naja, sie macht das halt auch jeden Tag, nech.“

Jo. Natürlich ist sie ein Profi und Gespräche zu führen ist auch ihr Beruf. Aber die Aufmerksamkeit und den Respekt, den sie diesem Thema auch hinter den Kulissen gezollt hat, war das, was am Ende diesen Tages sämtliche Dämme bei mir zum Einsturz gebracht haben.

Aus und Vorbei! Für eine Stunde war ich in Tränen aufgelöst. Und das haben leider viel zu viele gesehen, als dass ich jetzt hier lügen könnte. Niagara Fälle, reißende Sturzbäche – es wollte gar nicht aufhören.

Sie zeigte mir auf der Bühne und danach noch im privaten Gespräch an der Bar so aufrichtig, dass es auch für sie eine spannende Begegnung war, dass es mich unbeschreiblich berührt hat. Und das schönste daran ist, man sieht sich immer zwei Mal im Leben. Das nächste mal werde ich nur hoffentlich wieder vorher essen können.

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Danke, Barbara.

Weißt du Barbara, du hättest damals diese kleine (zugegeben nicht ganz so kleine) Teenager-Caro nicht besser durch den Röhrenfernseher beeinflussen können. Dich am Ende einmal zu treffen, dich kennenlernen, sogar von mir, dem schmerzhaften Alltag so vieler Menschen erzählen zu dürfen und schlussendlich zu merken, dass ich mich nicht in dir getäuscht habe, hat diesen Tag zu einem der schönsten meines Lebens gemacht.

Und vielleicht darf ich nun für ein paar Menschen da draußen auch eine kleine (zugegeben nicht ganz so kleine) Barbara sein.

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Gewinnt ein Abo der Zeitschrift BARBARA

Und da ihr mein emotionales Gebrabbel wirklich bis zum Schluss durchgehalten habt, werdet ihr nun mit einem tollen Gewinnspiel belohnt. Wir dürfen nämlich unter euch 10 Jahresabos der Zeitschrift Barbara verlosen! Alles, was ihr tun müsst, ist unter diesem Artikel zu kommentieren, wie der Titel eines Artikels über euch in der Barbara lauten würde.

Ich mache mal den Anfang: „Mode ist meine Therapie“ und weil Untertitel immer wichtig sind: „Ein Mädchen, das hinaus zog, um Lipödem die Stirn zu bieten – mit Mode und Kompression.“

Ich wünsche euch viel Glück und bin auf eure Einsendungen schon sehr gespannt!

 

Ganz viel Spaß beim Mitmachen wünscht euch

Teilnehmen könnt ihr bis zum 26. Juli, 23:59 Uhr. Teilnahmebedingungen findet ihr hier.

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Author: Caroline Sprott

Ich bin Caroline, 1989 geboren und wohne im Mittelhessischen Wetzlar. Warum habe ich den Lipödem Mode-Blog ins Leben gerufen? Am Anfang meiner Diagnose stand ich völlig hilflos vor einer ungewissen Zukunft. Jetzt, einige Jahre später, habe ich durch die aktive Anteilnahme in Selbsthilfegruppen und viel Recherche einen Erfahrungsschatz ansammelt, den ich gerne an einem Ort gebündelt anderen Betroffenen zugänglich machen möchte – ohne den Umweg über private Gruppen bei Facebook. Die modische Komponente ist natürlich meinem Hobby geschuldet. Ich versprach mir damals selbst, mich niemals von der Kompressionsbestrumpfung einschränken zu lassen. Diese Einstellung macht anderen Patientinnen Mut und so riet mir Michaela dazu, einen Blog ins Leben zu rufen.

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  • Ein wunderbarer Artikel, sehr authentisch und witzig.. ich freue mich sehr für dich das du Barbara getroffen hast. Ich finde sie strahlt eine Freundlichkeit aus die einfach toll ist.

    • Ganz toll seid ihr beide zusammen Es freut mich sehr für dich liebe Carolin, dass du die liebe Barbara Schöneberger live in echt kennen lernen konntest…
      Mein Titel würde lauten:
      Trotz Lipo-Lymphödem oder gerade wegen meinem Lipo-Lymphödem bin ich der Mensch, der ich heute bin…
      Sehe deine chronische Erkrankung nicht als Makel, sondern nimm es an, akzeptiere es und mach das beste daraus…
      Und mit Rosa Kompressionsbestrumpfung geht vieles leichter…!!!

  • Hallo Ihr Lieben, über einem Artikel stünde dann: ‚Einundsechzig und kein bisschen leise – mit Bass und Kompression auf der Bühne! Liebe Grüße – toller, bewegende Schreibe da oben! Ursula

  • Liebe Caroline,

    Du bist für mich nicht eine kleine Barbara – sondern viel besser: eine große Caroline! Deine authentische und lebensfrohe Art der Erkrankung die Stirn zu Bieten hat mir sehr geholfen das Thema Krankheitsakzeptanz überhaupt erst anzugehen und mich nicht mehr zu verstecken. Meine Wunderwaffe ist vielleicht weniger die Mode also meine Überschrift klingt wohl eher so: „Heldin des Alltags“ und der Untertitel: „Finde heraus, wie auch du deine Stärken nutzen kannst um ein selbsbestimmtes und zufriedenes Leben zu führen“ . Danke das du so bist wie du bist du Herzfrau – du bist heilsam weil du du bist!

  • „Verstecken? Nein, danke!“ oder „Zeig her, was du hast!“ oder „Niemals unten ohne“

    Danke für den rührenden Artikel! Ihr Beide seid ’ne Wucht… und Barbara lieb ich sehr

  • Der Artikel ist super, gefällt mir sehr. Du kannst sehr stolz auf Dich sein! Barbara Schöneberger ist eine Frau die mich auch schon immer fasziniert.

    Powerfrau und Heldin des Alltags!
    Vollzeitjob mit Kind und Mann und nebenbei noch ein Studium – mit der richtigen Einstellung ist alles möglich.

    Mach weiter so! Du machst mir Mut mich von der Diagnose nicht runterziehen zu lassen.

  • Ein ganz toller Artikel. Herzlichen Dank dafür! Mein Artikel würde „Zurück ins Leben – Lipödem eine Diagnose dich mich „glücklich“ machte!“ heißen. Ist provokant, aber wahr – endlich eine Diagnoe die nicht „du bist fett“ lautet! Ich bin 54 J. altund habe seit 2 J. die Diagnose Lipödem Grad 3

  • Leben mit Lip/Lymph …… wie komme ich damit zurecht ???
    Untertitel Kann sich das Umfeld an die unförmige Frau gewöhnen – jaaaa muss es !!!

    Danke für den tollen Beitrag und den Einsatz im Kampf gegen die Unwissenheit des Umfeldes … Ich kämpfe auch jeden Tag gegen die Blicke und gegen meine Schmerzen – aber wir sind stark und schaffen alles !!
    Durch meinen Job als Erzieherin im Kinderheim bin ich sehr oft neuem Klientel ausgesetzt und komme dadurch jedes Mal erneut in die Lage mich erklären zu müssen. Jede neue Begegnung eine Herausforderung

  • Liebe Caroline,
    was für ein toller Artikel! Ich glaube so würde ich mich fühlen, wenn ich dich einmal treffen würde 🙂
    Der Artikel würde heißen: ‚links Flachstrick & rechts Rundstrick – Hauptsache bunt‘ Was ein Mückenstich alles verändern kann!
    Ganz liebe Grüße,
    Lea

  • „Mit Kompression und Herzblut auf die Bühne – wie sie sich trotz Lipödem ihren Traum vom Musicalstudium erfüllt“

    Sehr toller Artikel liebe Caroline, fühl dich ganz fest gedrückt

  • „Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner“ mit dem Untertitel „durch Kompression und Eigeninitiative zum neuen Lebensbewusstsein!“, das wäre der Titel meines Artikels.
    Dein Artikel, liebe Caro, hat mich sehr berührt.

  • Toller Artikel 🙂 Solche Treffen sind immer inspirierend, nimm das mit solange es geht!
    Ich feiere sie auch für ihr Engagement und ihre positive Art.
    Mein Artikel würde vermutlich heißen
    „Bist du zu stark, sind sie zu schwach – warum Frau ihr Licht nie unter den Scheffel stellen sollte“

  • Caroline sehr toll geschrieben und ich konnte mich richtig reinfühlen.

    Das Leben ist bunt in Kompression – die Kleider bekommen Schwung und die Beine vergessen das Lipödem!

  • „Diagnose Lipödem-Zusammenbruch und neues Leben“
    Untertitel: „DU bekommst mich nicht klein! “

    Würde mein Artikel wohl heißen.

    Sehr schöner Bericht und Artikel

  • Liebe Caroline!

    Erstmal Chapeau für diesen mitreißenden Artikel – ich konnte Deine Anspannung förmlich spüren und hatze das Gefühl dabei gewesen zu sein- ganz toll geschrieben!

    Die „kleine Barbara“ in Dir ist für mich all gegenwärtig – du bist für mich seit Bonn, wo ich Dich kennenlernen durfte, zu einem greifbaren, positiven Beispiel für „Wenn ich will, schaffe ich das auch“ geworden – danke Dir

    Mein Artikel würde heißen –
    „Miss Compression in allen Gassen – wenn Druck Spaß macht“ -aus dem individuellen Alltag einer „Sanifee“

  • Hallo liebe Caoline,
    ist Wahnsinns Artikel. Barbara ist eine starke und authentische Frau, die mich jedesmal mitreißt wenn ich Sie im TV sehr. So wie Du mit deinen Beiträgen.
    Mein Titel würde lauten: Berta-Leben mit Lipödem.
    Untertitel: Lipödem ist nur ein Gast in deinem Leben, lässt uns kämpfen und unser Leben genießen.

    Bitte mach weiter so

  • Wundervoller Artikel! ♥
    Zwei tolle Frauen – absolut bewundernswert, herzlich und authentisch! Dreamteam!

    Mein Artikel in der Barbara würde heißen:
    „Die Schöne und das Biest – wie ich mit mir selbst die Lovestory für´s Leben schrieb.“
    In dem Artikel würde es um Selbstliebe gehen, wie man sich stolz und sicher zeigt. Ganz unabhängig von „zu viel“ Speck auf den Rippen, dicken Beinen, einer großen Nase, zu vielen Sommersprossen, …. Dass jeder Mensch wunderbar ist, so wie er ist.

    • Och Menno, jetzt ist da auch noch ein Fehler drin -_- ..
      „Die Schöne und das Biest – wie ich mir selbst die Lovestory für´s Leben schrieb.“
      Das kleine „mit“ hat sich unerlauberweise hier eingeschlichen 😉

  • Hallo,
    vielen Dank für diesen tollen Artikel und ich freu mich so für Dich, dass Du Barbara Schöneberger treffen konntest.
    Mein Artikel würde lauten, „Mit Spass, Freude und Farbe in ein neues Leben“ – Der Untertitel wäre „Wie Rheuma und Lipödem mit mir durch Welt gehen“