Dessous und Kompression – Wovor habe ich eigentlich Angst?

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Die Hände schwitzen, mein Herz fängt an zu pochen und ich habe ein mulmiges Gefühl im Bauch – es ist wieder soweit. Die zweite Therapiesitzung in dem Thema Dessous und Kompression liegt vor mir. Die Herausforderung dieses Mal: Raus aus dem schützenden Bett. Denn auch im Leben außerhalb der sensiblen Minute, in der man nur noch in Unterwäsche und Kompression da steht, verstecken sich Tücken, die ich überwinden will. Hallo Spaghettiträger, ihr freizügigen Gesellen.

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Dessous und Kompression – Caro goes wild

Das sagt zumindest Michaela, unsere wunderbare Fotografin, als sie die fertigen Bilder in der Hand hielt. Sie, die mir immer wieder Mut macht, über meinen Schatten zu springen, ohne die es diesen Blog, diese Bilder und dieses Körpergefühl nicht geben würde. Die wilden Bilder gefallen ihr am besten und ja, sie hat recht. Während wir die Aufnahmen machten, bat sie mich, die Haare zu öffnen, durchfuhr sie mehrmals und *schnips* mein Schalter wurde umgelegt. Von der unsicheren Caroline, mit leichtem Zopf, romantisch angehaucht und irgendwie verschlossen und nicht bereit, wurde ich schlagartig zum sinnlichen Vamp. Das gibt es doch nicht. Mitcha, wie machst du das bloß.

Manchmal wird einem manche Sachen erst bewusst, wenn man sie aus einer anderen Perspektive sieht. Nach einer großen Abnahme oder großen OP zum Beispiel, lassen sich viele einmal professionell ablichten, um ein neues Gefühl für den Körper zu bekommen. Und mir geht es da überhaupt nicht anders. Denn, als ich die Bilder durchsah, überraschte ich mich selbst.

Wie kann mich mein eigenes Körpergefühl so täuschen? Die Frau auf dem Bild ist so sinnlich, aber das kann doch nicht ich sein.

Wieso eigentlich nicht? Soll diese Sinnlichkeit auf dem Bild nur eine Rolle sein, in die ich geschlüpft bin oder hat Michaela sie einfach nur aus meinem Innersten wieder heraus gegraben? Quasi den Knoten gelöst?

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Wovor habe ich eigentlich Angst?

Meine Angst, oder besser mein Komplex, ist mir eigentlich sehr bewusst. Zum einen empfinde ich meinen Busen als unangenehm, unschön, er hat nichts sinnliches mehr für mich. Er hat 35 Kilo kommen und gehen sehen und hat mir das bis heute nicht verziehen. Zum anderen hat mich meine Kompression zwar immer wundervoll modisch durch Tag begleitet, jedoch eine völlig bekloppte Scham noch oben drauf auf den Busenkomplex vor meinem Mann gesetzt. Warum das Blödsinn ist, habe ich euch im ersten Artikel der Reihe erzählt.

Das Hirngespinst, dass mein Mann mich mit Kompression nicht mehr anziehend findet, habe ich für mich langsam entschlüsselt und lasse es bewusst immer mehr los. Es braucht seine Zeit, aber jeder Fortschritt zählt. Doch was mach ich mit diesen zwei traurigen Gefährten, die nun einmal da sind und sich höchstens operativ nochmal korrigieren lassen? Wovor habe ich denn genau Angst? Was Leute denken könnten? Naja, was sollen sie denn denken? Genau, nichts. Außer vielleicht, „Oh, joah,… steht jetzt halt net wie ’ne eins. Ach guck mal, da gibts Eis.“ Den Leuten wird mein Busen so ziemlich Schnurz sein, denn die haben am Badesee oder im Schwimmbad ganz andere Sachen im Sinn. Wofür mach ich mir denn bloß so einen Kopf? Ich bin doch sonst nicht so mit meinen Röllchen oder den Dellen an den Beinen.

Mein Trotz sagt mir, „Finde einen Weg. Schließe Frieden mit ihm. Wenn dein Mann die Schönheit sehen kann, kannst du das auch.“

Also gebe ich die Hoffnung nicht auf. Ich habe schon so viele falsche Ansichten meines Körpers aus meinem Kopf verbannen können. Angefangen von meiner Körpergröße bis hin zu meiner Nase. Ja, es gibt unendlich viele Möglichkeiten, sein Aussehen in Frage zu stellen und ich habe sie fast alle besiegen können. Warum also jetzt an dieser doch harten Nuss für mich scheitern und die Flinte ins Korn werfen? Ich bin es mir wert und werde nicht aufhören, mein Körpergefühl neu zu erlernen, bis ich endlich ohne Einschränkungen Zufriedenheit ausstrahlen kann.

Ausstrahlung ist das beste Accessoire

Es ist egal, wie wir aussehen, welcher Umfang unsere Beine haben, wie groß wir sind oder wie auffällig unsere Nase ist – solange wir an uns glauben, tragen wir alle innerliche Schönheit nach außen und lassen jegliche selbstempfundenen „Makel“ verblassen. Wir müssen nicht alles an uns lieben, aber es zu akzeptieren macht schon einen bedeutenden Anfang. Wie man das schafft? Das weiß ich noch nicht so richtig. Naja, mir helfen die Bilder dabei, einen Schritt auf Abstand zu gehen und mich von außen zu betrachten. Nicht im Spiegel, nicht an mir heruntergeschaut. Und ja, das macht einen gewaltigen Unterschied.

Vielleicht bin ich heute meinem Busen vielleicht einen Stück näher gekommen, als ich ihm je war. Wahrscheinlich werden wir nie wirklich Freunde, aber zu mindest würde es mir reichen, keine Feinde mehr zu sein. Was hat er mir denn getan, außer mit mir durchgehalten zu haben?

Lieber Busen, ich mag dich nicht, aber du bist stark. Danke für’s Durchhalten.

 

Kompression: mediven 550 und mondi esprit in Magenta mit dem Muster Timeless
BH: bonprix | Jumpsuit: s.Oliver

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Dieser Artikel wurde von medi unterstützt.
Bilder: Michaela Kern
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Author: Caroline Sprott

Ich bin Caroline, 1989 geboren und wohne im Mittelhessischen Wetzlar. Warum habe ich den Lipödem Mode-Blog ins Leben gerufen? Am Anfang meiner Diagnose stand ich völlig hilflos vor einer ungewissen Zukunft. Jetzt, einige Jahre später, habe ich durch die aktive Anteilnahme in Selbsthilfegruppen und viel Recherche einen Erfahrungsschatz ansammelt, den ich gerne an einem Ort gebündelt anderen Betroffenen zugänglich machen möchte – ohne den Umweg über private Gruppen bei Facebook. Die modische Komponente ist natürlich meinem Hobby geschuldet. Ich versprach mir damals selbst, mich niemals von der Kompressionsbestrumpfung einschränken zu lassen. Diese Einstellung macht anderen Patientinnen Mut und so riet mir Michaela dazu, einen Blog ins Leben zu rufen.

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  • Hallo Caroline! Schön geschrieben und tolle Fotos. Ich habe auch Lipödem und trage Kompression an den Beinen. Auch ich habe etwas an mir, was ich nicht mag: Mein Doppelkinn stört mich am meisten. Ich kann nicht erklären, warum. Das ist einfach so. Das könnte ich wohl ändern, wenn ich abnehmen würde, aber dann findet sich sicher etwas anderes, was mich dann stört .

    Mir hilft Kreativität, wenn es mir schlecht geht. Ich male, zeichne und nähe mir neue Klamotten oder Accessoires. Mittlerweile mache ich das regelmäßig und nicht mehr nur, wenn’s mir schlecht geht.

    Mach weiter so, dein Blog ist super!

    LG aus Lahnau.
    Angelika

  • Liebe Caro.
    Das ist das erste Mal dass ich kommentiere, aber das muss sein. Für negative Körperbilder muss man nämlich kein Lipödem haben 🙁
    Aber ich habe etwas gelernt: diese Urteile die wir von unseren Körpern haben sind Mantren. Wir haben sie uns entweder selbst eingeredet oder einreden lassen.
    Was hilft nun bei einem negativen Mantra?
    Richtig. Ein positives Mantra.
    Also: jeden Tag nackt vor den Spiegel stellen und sagen „ich bin schön. Mein Körper gefällt mir“ und so. Fühlt sich total doof an am Anfang. Aber so wie die negativen Mantren funktioniert haben ein schlechtes Selbstbild zu formen, helfen die positiven Mantren, ein gutes Selbstbild und Selbstliebe zu fördern.
    Alles gute.
    Dein Vigo