Dicke Beine: Habe ich Lipödem?

Der Weg zur Diagnose ist nicht einfach, denn die chronische Krankheit und schmerzhafte Fettverteilungsstörung tritt in den verschiedensten Formen und Empfindungen auf. Lass uns gemeinsam einmal die wichtigsten Symptome und Maßnahmen durchgehen, mit denen du schon einmal für dich selbst klären kannst, ob der Verdacht auf Lipödem naheliegt. Auch wenn ich hier mit dir zusammen schon einiges klären kann, ersetzt dies keinen Arztbesuch. Aber keine Sorge, auch da hat Frau Dr. Sprott, Hobby-Lymphologin aus Leidenschaft, ein paar gute Tipps für dich.

Zieh‘ die Hose aus, wir müssen reden.

Gut, die Grundlage ist geschaffen, dann wollen wir mal! Präpariert euch noch ein Heißgetränk eurer Wahl, das könnte jetzt eine Minute dauern.

Habe ich Lipödem?

Die Optik: Ich habe dicke Beine oder Arme

Grundsätzlich durchgeht das Lipödem drei Stadien. Das tückische daran ist, dass man Stadium 1 rein optisch selten ausmachen, es jedoch durchaus spüren kann. Das ist für Betroffene oftmals eine frustrierende Erfahrung, denn, erzählen sie von ihren Schmerzen in den Beinen, werden sie unter Umständen nicht ernst genommen. Wenn sie Glück haben, taucht das Wort Lipödem auf. Im Zusammenhang mit dieser Krankheit werden jedoch auch die eher fortgeschrittenen Krankheitsverläufe gezeigt und das erschwert die eigentlich so wertvolle Frühdiagnose.

Moral von der Geschicht‘: Lipödem erkennt man an der Optik nicht.

Na gut, nicht immer. Das wäre ja zu einfach. Denn natürlich gibt es da die bekannten optischen Merkmale, wie der harte Übergang zwischen Knöchel und Wade, der oft gar nicht existierende Übergang zwischen Wade, Knie und Oberschenkel oder die Disproportion zwischen Taille und Hüfte.

Bei den Armen gelten die gleichen Ausprägungen. Wichtig hierbei ist, dass die Hände und Füße meist schlank sind. Sollte das nicht der Fall sein, kann auch ein sekundäres Lymphödem vorliegen.

Generell kann man zur Optik sagen, dass sie mit Stadium 2 und 3 wächst, sich das Hautbild immer mehr verändert. Cellulite mutiert zur Mondlandschaft, Hauttaschen bilden sich und die Haut wird praller.

Eine Fettverteilungsstörung macht aber noch kein Lipödem, also seid vorsichtig mit schnellen Urteilen über euch selbst und anderen Menschen. Warum, erfahrt ihr im nächsten Punkt.

Der Schmerz: Ist das, was ich spüre, Lipödemschmerz?

Viele knabbern an den optischen Auswirkungen des Lipödems; der eigentliche Gegner und das unverkennbare Symptom ist jedoch der Schmerz.

Er raubt dir den Schlaf, schießt dir die Tränen in die Augen und er kämpft mit unfairen Mitteln.

Ich versuche euch einmal, mein Empfinden des Lipödemschmerzes zu beschreiben, denn das fällt gar nicht so leicht. Der Endboss und Henker eurer Lebensqualität – ein fieser dumpfer Schmerz, den du nicht richtig greifen kannst. Der dich verzweifelt zurücklässt, bis er wieder klingelt und dich in den Wahnsinn treiben will. Manche erklären ihn wie Muskelkater, aber die Beschreibung ist mir zu einfach. Denn das Empfinden kommt nicht aus dem Muskel sondern darunter und strahlt manchmal auch in eines der umliegenden Gelenke und zaubert dort auch noch einmal herum. Wie schön. Er sticht, er zieht und drückt.Für mich fühlt er sich wie Wachstumsschmerz an, den man als Kind manchmal hatte.

Nach dem Genuss von Alkohol habt ihr am nächsten Tag starke Schmerzen in euren Extremitäten? Jackpot! Das Lipödem ist auch noch ein Spielverderber.

Die gefäßerweiternde Wirkung des Alkoholkonsums erschwert den Abtransport eurer Lymphe und sorgt dadurch noch zusätzlich für Nachwirkungen eines schönen Abends.

Neben dem Stechen kommt der Druckschmerz hinzu. Dieser tritt oft bei den leichtesten Stößen oder Berührungen auf und wird zur Hölle, wenn euch etwas einengt – ob hart oder weich. Auch der kann ganz unterschiedlich empfunden werden, da ist jeder Jeck und Körper anders.

Was uns wiederum verbindet, ist der Hang zur Hämatombildung. Ihr neigt ungewöhnlich schnell zu blauen Flecken und seht nach einem aktiveren Tag wie ein Dalmatiner aus? Dann geht’s dir wie uns.

Schwere Beine ist auch ein Symptom, aber nicht alleinig bei Lipödem, sondern durchaus auch bei Lymphödem vertreten. Das Schweregefühl macht Treppensteigen und ähnliche Bewegungen sehr unangenehm. Dass euch da schnell die Kraft verlässt oder ihr durch den Schmerz nicht weiter gehen könnt, ist da leider normal und geht vielen von uns so.

Optik ja, Schmerz nein:
Der Schmerz macht den Unterschied

Das Lipödem ist generell schmerzhaft und daran könnt ihr es am besten erkennen. Solltet ihr nur äußerliche Parallelen zu dieser Krankheit feststellen, aber keine Schmerzen dabei haben, dann schätzt euch glücklich.

Eine Fettverteilungsstörung ohne Schmerzen nennt man Lipohypertrophie.

Ich weiß, glücklich ist man damit jetzt auch nicht in erster Linie. Aber euch bleiben Schmerzen erspart, die man niemanden wünscht.

Optik ja, Schmerz auch: Willkommen im Club

Du hast zu beiden oben aufgeführten Aspekten heftig den Kopf genickt und dich wiedergefunden? Dann Willkommen in der Lipödem-Familie. Du bist eine von Millionen betroffenen Frauen, die sich miteinander auf die spannende Reise durch das Leben mit dieser fiesen chronischen Krankheit machen. Siehe es als einen neuen Anfang und nicht als Ende von allem. Keine Angst, du bist nicht allein und keine deiner Fragen soll offen bleiben.

Habe ich Lipödem

Was ist jetzt zu tun?

Mache einen Termin bei einem Phlebologen, Lymphologen, Angiologen oder Hautarzt aus. Am besten informierst du dich vorher, ob es regionale Empfehlungen anderer Betroffener in deiner Nähe gibt. Sollte der Arzt eine Diagnose stellen, wäre der therapeutisch richtige erste Schritt eine Entstauungsphase mit anschließender Flachstrick Bestrumpfung und regelmäßiger Lymphdrainage.

Wir haben für die ersten Infos nach deiner Diagnose auch ein paar hilfreiche Artikel für dich, damit du dir am Anfang einen groben Überblick über alles verschaffen kannst.

Ich hoffe, du hast durch diesen Artikel ein wenig Klarheit über deine körperliche Situation bekommen und kannst nun den richtigen Weg für dich einschlagen.

Viel Gesundheit und Erfolg

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Author: Caroline Sprott

Ich bin Caroline, 1989 geboren und wohne im Mittelhessischen Wetzlar. Warum habe ich den Lipödem Mode-Blog ins Leben gerufen? Am Anfang meiner Diagnose stand ich völlig hilflos vor einer ungewissen Zukunft. Jetzt, einige Jahre später, habe ich durch die aktive Anteilnahme in Selbsthilfegruppen und viel Recherche einen Erfahrungsschatz ansammelt, den ich gerne an einem Ort gebündelt anderen Betroffenen zugänglich machen möchte – ohne den Umweg über private Gruppen bei Facebook. Die modische Komponente ist natürlich meinem Hobby geschuldet. Ich versprach mir damals selbst, mich niemals von der Kompressionsbestrumpfung einschränken zu lassen. Diese Einstellung macht anderen Patientinnen Mut und so riet mir Michaela dazu, einen Blog ins Leben zu rufen.

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