Dr. Witte, mein Held – Liposuktionen in der LipoClinic in Mülheim an der Ruhr – Teil 2

Die ersten 9,2 liter Fett sind raus, aber wie geht es nun weiter?

Nach einem so heftigen Eingriff fehlt es dem Körper erst ein mal an allem. Der Blutverlust und die Narkose zeigen ihre Wirkung und der Körper braucht nun seine Ruhe und vor allem einen Heizapparat, denn der Körper kühlt während der OP sehr stark ab. In der LipoClinic Dr. Heck werden deshalb Heißluftgebläse unter die Bettdecke der Patientinnen gelegt. Wenn der Körper dann so langsam seine Normaltemperatur angenommen hat, wird es Zeit aufzustehen. Der erste Toilettengang, die ersten Schritte auf den neuen, wackligen Beinen. Jetzt heißt es tief durchatmen, nicht nach unten sehen und jeder, der kein Blut sehen kann, aus dem Weg! Denn das letzte Wasser aus den Saugkanülen sucht sich, vermischt mit Blut, den Weg nach draußen. Was super ist, denn all das braucht der Körper nicht mehr eigenständig abbauen und kann sich somit vollständig auf die Heilung der Gefäße und Wunden konzentrieren.

Nach dem ersten Liter Mineralwasser und einem leckeren Brötchen ging es mir dann bedeutend besser. Mein Kreislauf war erstaunlich gut. Ich war zwar schlapp, baute aber in keinem Moment ernsthaft ab. So ging der Tag dahin, ich lag, lief mal wieder über den Flur, dann lag ich wieder.

Grundsätzlich gilt: so schnell wie möglich wieder in den Gang kommen und dann abwechselnd die Beine wieder hoch lagern.

Zum Abendessen gab es leckere Pasta vom ortsansässigen Italiener in Verbindung mit IBU 800, Antibiotikum und Thrombosespritze, denn Thrombose ist wohl das letzte, was man sich nach einer OP wünscht.

Schlafversuche in Kompression, beinahe unmöglich

Die Nacht verlief nicht wirklich schlafend, denn wenden war kaum möglich. Und dieses Gefühl in Flachstrick und pochenden Beinen ist beim Einschlafen dann nicht gerade förderlich. Aber irgendwie geht die Nacht dann schon rum und nach ausgiebigem Frühstück und einem Latte Macchiato kam meine Mama auch schon um halb 8, um mich abzuholen. Dr. Witte schaute noch einmal nach mir und war wieder mal von meiner Standfestigkeit beeindruckt, denn bei einer solchen Absaugmenge sind die meisten sehr schlapp – doch auf meinen Kreislauf ist Verlass, zum Glück!

Adieu LipoClinic, ab nach Hause. Möglichst viel bewegen .. .laufen, hoch lagern im Wechsel. Die Flachstrickkompression sollte jetzt für sechs Wochen mein Freund sein – Tag und Nacht soll sie nach den OPs getragen werden. Und das ist auch gut so, denn das Gewebe braucht einfach einen starken Druck um schnell und gründlich zu heilen. Zur Unterstützung ging ich am 2. Tag nach der Operation frisch geduscht zur manuellen Lymphdrainage. Im ersten Moment unglaublich schmerzhaft und doch so wohltuend. Nach einer Woche wurden die Fäden gezogen und ab da ging es merklich aufwärts. Die Schmerzen gingen deutlich zurück, ich war viel beweglicher. Ich ging 10 Tage Post OP das erste mal schwimmen und das dann jeden Tag. Wasser ist eine absolute Wohltat. Die leichte Massage durch den Wasserdruck, die Bewegungsfreiheit ohne Kompression, diese leichten Beine.

So gingen die Wochen ins Land, ich war jeden Tag ein wenig mehr begeistert von der Erleichterung, die mir schon diese erste von drei OPs verschaffte. Auch an der Optik sah man erste Erfolge nach drei Wochen und die Waage zeigte mir zum ersten mal seit langer Zeit ein deutliches Minus an. Auch wenn das gesaugte Fett nicht so viel Gewicht hat, wurde der Stoffwechsel extremst angekurbelt und endlich purzelten die Pfunde. Deshalb wurde es auch alsbald Zeit für eine neue Kompression, die mit einem deutlichen Maßunterschied gestrickt werden konnte.

Mit weniger Kilos und leichteren Beinen genossen wir noch einen Kurzurlaub in München und dann…

Schon bald, am 13.10.18, war die nächste OP geplant. Die Unterschenkel sollten bearbeitet werden. Die Liposuktion, die am schmerzhaftesten sein soll. Und das an einem Freitag, den 13. – na klasse. Das hatte ich mir ja gut überlegt. Aber verschieben stand nicht zur Diskussion, also wurde eine Woche vorher ein neues Blutbild gemacht, welches wirklich gut ausfiel und deshalb freute ich mich einfach nur, dass es endlich weiter geht.

So fuhren wir – dieses mal begleitete mich mein Freund Nils – nach Mülheim an der Ruhr in die LipoClinic Dr. Heck. Ich wurde wieder in meinem Standardzimmer untergebracht, allerdings mit einer Zimmergenossin, der lieben Janina. Sie hatte ihre erste OP und so berichtete ich ihr von meinen bereits gesammelten Erfahrungen und verstanden uns einfach super. Die Ärzte betraten das Zimmer, es wurde fleißig angezeichnet und nochmal alles genau besprochen.

„Hier mach ich ihnen ein tolles Schienbein mit wunderschönen Fesseln, hach – das wird toll! Ich liebe die Unterschenkel Operation, da sieht man immer direkt einen tollen Unterschied!“, sagte Dr. Witte freudestrahlend.

Er ist immer so euphorisch, er liebt seine Arbeit, er steht vollen Herzens hinter den Patientinnen und versucht alle Wünsche zu erfüllen. Über meine Abnahme von knapp 7 kg freute er sich sehr, denn er ist bekannt dafür, die Frauen immer zu motivieren noch mehr an sich und dem Gewicht zu arbeiten – denn nur mit einem gesunden Gewicht sind die Ergebnisse dann auch so, wie man sich das wünscht. Der Anästhesist kam herein, legte die Kanüle und nach einem Abschiedskuss an meinen Liebsten ging es auch schon los.

Bye Bye Unterschenkel… Dr. Witte gib alles!

Nach der üblichen Desinfektionsroutine, lag ich endlich auf dem OP-Tisch und bekam meinen Narkoseshot über die Vene initiiert. Diese Operation war wirklich bedeutend unangenehmer, als die vorherige. Am Schienbein und am Knöchel ist einfach viel weniger Haut/Fett bis zum Knochen, außerdem wird die Betäubung ein wenig niedriger dosiert, da man sich ein mal eigenständig wenden muss, um beide Seiten der Unterschenkel zu bearbeiten. Nach den zwei Stunden war ich einfach froh, dass wir fertig waren. Ich drehte mich zurück, schaute meine Waden an. Waren das wirklich meine Waden? Sie waren so schlank, da war ein Schienbein, da war ein Knöchel. Und da liefen sie wieder, meine Tränen. Ein allzeit willkommener Begleiter in den Operationsräumen der LipoClinic.

Dieses mal hat Dr. Witte 4,6 liter Lipödemfett von mir genommen. Ganze 13,8 liter war ich nun schon los.

Als die Aufzugtür auf ging und ich im Rollstuhl meinem Schatz entgegen fuhr, liefen wieder die Tränen. Er strahlte mich an, sah meine Waden und konnte es ebenso wenig glauben. Es sah so anders aus, es war eine komplett andere Beinform. Dr. Witte hatte absolut Recht, an den Waden sieht man den Unterschied sofort (zumindest die ersten zwei Tage bis die Schwellung die Überhand nimmt) und das motiviert total. Weiter zu machen, diesen Operationsmarathon durch zu ziehen … für ein schmerzfreies, lipödemfreies Leben.

An diesem Tag waren sechs Patientinnen in der Klinik. Uns allen ging es super, wir liefen auf dem Flur, verstanden uns prächtig und genossen unsere Zeit zusammen, tauschten uns aus über unseren bisherigen Weg mit dem Lipödem. Der ganze Flur und die Zimmer waren übersät von Blutspuren, doch das störte keinen – denn wir waren einfach nur glücklich. Auch das Team der Klinik, die kaum mit dem wischen hinterher kamen, denn dass alle so fit sind, erleben die Schwestern eher selten.

Das Fazit der Unterschenkel… Kreislauf mal wieder super, Schmerzen sehr stark und trotzdem absolut zufrieden. Die Witt’schen Waden waren geboren.

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Die Zombie Crew der LipoClinic … es war mir eine Ehre!

Am Morgen ging es wieder zeitig nach Hause und der Trott begann von vorne. Laufen, hoch lagern. Kompression sechs Wochen Tag und Nacht, Lymphdrainage drei mal die Woche, schnellstmöglich schwimmen und Hauptsache bewegen.

Aber meine Vorrednerinnen hatten Recht, die Unterschenkel sind Arschl*****. Die Heilung dauerte Ewigkeiten. Die Schmerzen hielten sehr lange an, nach knapp drei bis vier Wochen waren die Schmerzen wirklich gut erträglich. Arbeiten ging ich übrigens nach knapp zwei Wochen wieder (wie auch bei den Oberschenkeln), allerdings arbeite ich selbstständig, meistens laufend und konnte mich auch da immer wieder ausruhen.

Das optische Erfolgserlebnis ließ nicht lange auf sich warten. Da ich Schuhverkäuferin bin, bin ich natürlich jederzeit von den schönsten Schuhen und, zu dieser Zeit sehr wichtig, Stiefeln umgeben. Knapp vier Wochen nach der OP traute ich mich und probierte Langschaftstiefel – noch nie hatten diese mir gepasst. Nicht einmal die Reiterstiefel mit 11 Jahren passten und wir mussten sie einschneiden. Doch an diesem Tag zog ich einen Stiefel nacheinander an und ich bekam sie zu. Ein unbeschreibliches Gefühl. Und meine Mama und ich lagen uns mal wieder glücklich in den Armen. Mein Wadenumfang hatte sich von 51 cm auf zu dem Zeitpunkt 41 cm verkleinert. Mittlerweile (5 Monate später) liegt er bei 37 cm. Ich hätte nicht glücklicher in die Adventszeit starten können.

Handschrift_Jule

lipoedem mode jule team

Author: Jule Prekel

Hallöchen, ich bin Jule, 1993 geboren und arbeite im Schuhgeschäft meiner Eltern im schönen Emsland in Niedersachsen. Meine Diagnose bekam ich 2016, nachdem ich mich sieben Jahre lang fragte, was mit meinem Körper nicht stimmt. Die Diagnose gab mir neue Kraft, neue Hoffnung. Ich versteckte mich nicht mehr, ich lebte mit der Krankheit, die nun zu mir gehörte. Die Mode half mir dabei sehr, sie war schon immer mein ständiger Begleiter und dennoch lernte ich den Umgang mit ihr noch viel intensiver. Ich liebe es mich gut zu kleiden, spannende Farbkombinationen zu entwickeln und meinen Körper damit in ein anderes Licht zu rücken. Keiner sollte sich verstecken hinter schlecht sitzender Kleidung und das soll meine Botschaft auf diesem tollen Blog sein.

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