Lipödem und Lymphödem in den Wechseljahren II – Veränderungen meines Körpers

Mein Spiegelbild

Stell dir vor, du kommst morgens aus der Dusche, schaust in den Spiegel und denkst:

Wer ist das,
kommt die mir bekannt vor?

Jetzt wird dir ganz bewusst, es hat sich was verändert, ich habe mich verändert. Mein Spiegelbild und mein Ich passen nicht zusammen.

Ganz langsam läuft ein Prozess, den ich nicht stoppen kann. Ich werde älter, zumindest optisch. Es ist doch noch gar nicht so lange her, als mein Ich noch ganz schlank war, keine Falten hatte und lange Haare.

Naja, kräftige Beine, die hatte ich, aber das war halt so. Mein Vater sagte zu mir immer, ich hätte Fußballerbeine, außerdem waren die meiner Mutter auch nicht schlank. Nach der Geburt meiner ersten Tochter nahm ich in Amerika bei einer Miss-Leg Competition teil, ich wurde überredet. Was soll ich sagen: Ich hatte den ersten Platz geholt. Also doch keine Fußballerbeine.

Das ist alles lange her und ich schaue immer noch in den Spiegel. Mittlerweile sagt mein Pass, dass ich 60 Jahre bin. Ist das nun alt? Ich sehe Falten, ganz kleine unter den Augen, auch um meinen Mund haben es sich welche bequem gemacht. Ich sehe Haare, dünne Haare, gut die Farbe ist kein Problem, ich habe eine gute Frisörin und sie eine gute Farbpalette. Bei genauem Hinsehen stell ich fest, das ich meiner Mutter immer ähnlicher werde.

Ich sehe weiter in den Spiegel, ganz genau, es ist nicht zu übersehen, ein Bauch, mein Bauch. Was ist passiert? Ich treibe Sport oft und gerne, ich bewege mich gern an frischer Luft, schwimmen finde ich großartig. Trotzdem ein Bauch. Er ist einfach da. Sicherlich, habe ich ein klein wenig selbst schuld, ich esse gern, sehr gern sogar. Das habe ich früher aber auch getan und hatte keinen Bauch.

Ich halte noch das Handtuch in meinen Händen. Meine Hände sind nicht mehr die gleichen wie früher. Faltig, mit ein paar braunen Flecken. Meine Finger sind schmal und einige Gelenke durch Arthrose ausgeprägt.

Ich betrachte mich genau, ich sehe meine Beine und meine Arme. Das Lipödem ist irgendwie mitgewachsen. Als ich vor vierzehn Jahren die Diagnose bekam, waren sie noch schlanker und meine Knie sichtbarer. Gut, Stiefel gehörten nie in meinem Schuhschrank und Blusen waren jetzt auch nicht mein beliebtestes Kleidungsstück. Stiefel konnte ich nicht schließen und die Blusen waren für meine Arme nicht gemacht.

Ich stehe vor dem Spiegel und betrachte mich genau. Es hat sich einiges verändert, seitdem ich in die Wechseljahre gekommen bin.

Äußerlich habe ich mich verändert, das muss ich zugeben, aber ist das schlimm? Nein, ich denke es ist ein Prozess, der auch positiv auf mich wirkt.

Ich bin gelassener geworden, ich kann mehr genießen, ich unternehme Dinge, die mir Spaß machen. Ich habe eine glückliche Familie und Enkelkinder, denen es egal ist, ob ich Moppel-/Modelmaße oder Falten habe. Einen Mann, der mit mir älter geworden ist und der mich so akzeptiert wie ich bin. Ich habe Lipödem an meinen Beinen und meinen Armen, aber ich kümmere mich gut um mich, so ist auch die Erkrankung ein Teil von mir geworden.

Ich schaue immer noch in den Spiegel und sehe eine zufriedene Frau. Ja, ich habe mich durch die Wechseljahre auch optisch verändert, aber ich bin reifer geworden, habe schon viel erlebt und denke dass ich noch viel erleben werde. Ich genieße jeden Tag und bin mit mir zufrieden. Klar könnte ich manches auch ändern, aber will ich das? Nein.

Ich bin ich und das ist gut so, auch wenn ich Tage habe an denen mir es schwerfällt daran zu glauben, aber ich arbeite daran.


Wenn dir der Artikel über den Körper mit Lipödem in den Wechseljahren gefallen hat, würde sich Kersten sehr darüber freuen, wenn du ihr eine virtuelle Tasse Kaffee spendierst!

kersten Dreismann lipödem wechseljahre

Author: Kersten Dreismann

Hallöchen, Ich bin Kersten Dreismann und 1960 in Bremen geboren. Seit 30 Jahren wohne ich zusammen mit meinem Mann in Wetzlar. Ich bin Mutter von zwei erwachsenen Töchtern und sechsfache Oma. Ich liebe das Lesen, Stricken, den Sport und natürlich das Rumtollen mit meinen vier jüngsten Enkeln, zwei gehen leider schon ihre eigenen Wege. Sehr früh hatte ich mit Krampfandern zu tun und wurde dreimal operiert. Bei meiner letzten OP war ich 46 Jahre und meine behandelnde Ärztin stellte zusätzlich bei mir die Diagnose Lipödem an den Beinen fest. Von da an lernte ich viel über die Erkrankung, meistens in den sozialen Medien. Kompetente Ärzte zu finden war am Anfang leider nicht so einfach. Seit diesem Jahr sind auch meine Arme von der Erkrankung betroffen. Mit einem fachkompetenten Arzt, Lymphdrainage, Kompressions-Bestrumpfung und Eigeninitiative komme ich gut zu recht. Das Lipödem ist ein Teil von mir geworden.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  • Im Alter wächst das Bauchfett , das ist hormongesteuert. Ich stimme dir zu das man im Alter gelassener wird . Die Veränderung des Körpers finde ich auch nicht berauschend, obwohl mich noch keine Falten plagen , Baujahr 1956 , im Kopf fühle ich mich nicht anders ,nur der Spiegel zeigt eine Fremde- doch wenn interessiert ein Spiegel?
    Ich spiegele mich nicht , die körperliche Jugend die sich vergleichen , konkurrieren und bewundern lassen wollte liegt hinter mir . Heute spiele ich in der Königsklasse , keine Vergleiche mehr nötig. Stützstrümpfe , Brille , bequeme Schuhe ,was immer nötig ist um mich wohl zu fühlen!
    Ich kenne meinen Wert und der klebt nicht an der Figur!