Schübe nach den Schwangerschaften, Mami-Outfits und Selbstliebe

„Mama, ega schick bist du!“

Meine große Tochter stürmte auf mich zu und umarmte mein Bein. Unser Baby lag brabbelnd im Maxicosi und wippte vor sich hin. Es war ein heißer Sommertag und wir bereiteten uns gerade vor, das Haus zu verlassen und ich habe tatsächlich etwas anderes als mein übliches Outfit angezogen. Ein gepunktetes Sommerkleid.

Als Mutter gibt es so viele Themen, die erstmal so gar keine Priorität haben. Und bei mir war das meine Kleidung. Meine Outfits bestanden im Wesentlichen aus Flachstrickstrümpfen, die bereits am Fuß verschlissen waren, einem überbequemen dunkelblauen Rock und einem anthrazitfarbenen Cardigan. Diese kombinierte ich mehr oder weniger geschickt mit T-Shirts aus meiner Umstandsmodenkollektion. In andere Klamotten passte ich nicht mehr rein. Mahnende Worte, die vor allem von meiner Mutter kamen, mir doch endlich mal neue Klamotten zu kaufen, überhörte ich. Jetzt nicht! Später, wenn ich mal wieder in eine akzeptable Größe reinpasse. Später, wenn der Mond in Konjunktion mit dem Mars steht, hole ich mir auch eine neue Kompressionsversorgung. Ja, später ist vieles möglich – nur dieses ominöse „später“ ließ auf sich warten.

 

Explosive Schwangerschaft

Irgendwie habe ich, wenn ich nach Kleidung geschaut habe, mich immer wieder bei den Umstandsklamotten wieder gefunden. Die sind schließlich so bequem.

Außerdem hatte ich doch noch eine Rechnung offen mit diesem Monster Lipödem. Es hatte mich hängen lassen, dabei waren wir doch so viele Jahre so gut miteinander ausgekommen. Nach der Diagnose 2010 konnte durch die zusätzliche Unterstützung durch Lymphdrainage und Kompression gute Ergebnisse erzielen und mein Gewicht deutlich reduzieren. Die Operation brachte dann nicht nur Schmerzfreiheit, sondern natürlich auch ein optisches Ergebnis, das sich sehen lassen konnte. Wir waren ein bestens eingespieltes Team, ich hegte und pflegte es und trug weiter meine Flachstrick.

Ich hatte sogar eine Versorgung in Kompressionsklasse 3. Manchmal bin ich eben ein Streber.

Als ich die Schwangerschaft plante, fragte ich meinen Arzt, was mich erwarten würde. Er meinte, so zwischen Verbesserung und einem erneuten Schub mit Zunahmen um die 40 kg wäre alles drin. Das einzige Dogma sei, dass es kein Dogma gibt. Wir werden sehen.

Es waren dann die 40 kg, vielleicht nicht ganz. Aber um den Dreh. Während ich die Kilos aus den Schwangerschaften noch ganz gut bewältigen konnte, waren es die Schübe nach Ende der Stillzeit, die mich im Griff hatten. Ich hatte keine Chance, meine ganzen Tricks und Kniffe funktionierten nicht mehr und ich musste mir selbst beim Explodieren zuschauen. Natürlich war auch die ein oder andere Nutellasemmel im Spiel, aber ich machte doch Sport und überhaupt ernährte ich mich grundsätzlich gesund. So wie man es machen soll – ausgewogen und vollwertig.

Kleiner Augenöffner – Selbstliebe

In dieser Situation kann man sich leicht mit Hass begegnen. Die ganze Body-Positivity-Selbstliebe-Bewegung ergab für mich keinen Sinn; ich hatte das Gefühl auf ganzer Linie versagt zu haben. Es tat meinem Mann weh, mich so leiden zu sehen und wie ich mich immer weiter in den destruktiven Strudel des Selbsthasses reinzog. Wie konnte ich mich denn selbst lieben? Und dann noch neue Klamotten kaufen? Ganz ehrlich? Nee!

Mein Leben ist glücklich und bunt. Ich habe keinen Grund, so auf mich einzuhämmern. Aber dieser Selbsthass waberte so selbstverständlich und zerstörerisch in mir, dass natürlich nichts funktionierte, was ich anging.

„Mama, ega schick bist du!“ Mir kamen die Tränen, denn schließlich hat sie mich mit ihrer kleinen, schlauen Art darauf gebracht, dass ich wirklich schick sein kann. Und dass sie tatsächlich mit ihren nicht mal drei Jahren einen Unterschied zu meinem eigentlichen Outfit sieht.
Sie öffnete mir die Augen. Etwas musste sich grundlegend ändern. Da das, was Jahre gut und beständig Wirkung zeigte, nun nicht mehr funktionierte, musste ich nach Alternativen Ausschau halten. Natürlich, um mein Ödem in den Griff zu bekommen und mein Gewicht zu reduzieren, aber nicht nur. Mein vornehmliches Ziel ist, gesund zu bleiben, um für meine Familie da zu sein.

Es hat mir geholfen, mit neuer Kleidung, die zu mir passt, mich selbst schick zu finden und damit liebevoller mit mir umzugehen.

Das ist jetzt knapp zwei Jahre her und immer noch ein langer Prozess, mit vielen Erfolgen und auch einigen Rückschlägen. Aber ich tue es für mich. Und für meine Familie. Und es macht Spaß.

 

Meine Inspirationen für tolle Mami Outfits

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1_ Schwarzer Rock | 2_ Schal | 3_ Oberteil mit Schwalbenmuster | 4_ Gestreiftes Oberteil | 5_ Cardigan | 6_ Blauer Rock | 7_ Handtasche


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Author: Kristin

Mein Name ist Kristin, ich bin Mutter zweier Töchter und lebe in Oberbayern. Ich bin 39 Jahre alt und habe alle Phasen dieser Erkrankung mitgemacht: Diagnoseschock – erfolgreiche Gewichtsreduktion – OP und Rezidiv nach den Schwangerschaften. Der Alltag mit meiner Familie ist bunt und lustig und die schönste Zeit meines Lebens. Jedoch bleibt bei zwei Kleinkindern, Haushalt und Job oft wenig Zeit für sich selbst und das Lipödem. Ich möchte dazu ermuntern, dass es sich lohnt, in jeder Phase zu kämpfen – auch wenn man meint, den Kampf zwischenzeitlich verloren zu haben.

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