Kommentar: Von Patient zu Patient

Es ist ein ernstes Thema. Es ist etwas was mich und die ganze Lipödem-Redaktion bewegt. Es ist etwas, mit dem viele von uns zu Kämpfen haben. Es ist etwas was viele tun, ohne darüber nachzudenken.

Ausgrenzen – Herabwürdigen – Urteilen

Wie fängt man so ein Thema am besten an? Ich bin ein wenig hin und her gerissen. Es kam in letzter Zeit öfter vor, dass Patienten andere Patienten aufgrund ihres Befundes oder ihrer körperlichen Begebenheiten als nicht ausreichend erkrankt einstuften.

Einfach ausgedrückt: Ich selbst trage Größe 36 und bin somit für viele außerhalb der Norm einer Betroffenen. Ich werde deshalb gefragt, ob ich tatsächlich erkrankt bin. Man würde ja nichts sehen. Ich wüsste nicht, was ein richtiges Lipödem ist. Ich hätte ja keine Probleme. Ich könne ja froh sein, dass ich so aussehe. Könne mich glücklich schätzen. Zähle für viele nicht als erkrankt oder betroffen. Es wurde als Modekrankheit geschimpft. Es wurde gehatet, gemobbt und geurteilt. Und so ergeht es nicht nur mir, sondern vielen anderen Stimmen in unserem Kreis.

Liebe Lipödembetroffenen, es gibt bei unserer Krankheit kein besser und kein schlechter.

Wir alle sind von dieser Krankheit betroffen und damit sind wir alle in diesem Punkt gleich. Für mich stehen wir alle auf einer Stufe. Wir wollen akzeptiert werden, fordern Toleranz von unseren Mitmenschen, fordern endlich Einsicht von den Krankenkassen. Warum können wir dann nicht einfach einander unterstützen und genau das geben, was wir fordern? Es fängt doch bei uns selbst an. Ich möchte einmal ausdrücklich sagen, dass mit der Aussage „Ich habe Lipödem“ keiner einen Spaß macht – ich denke da muss man nicht noch extra nachhaken.

Es fällt mir gerade sehr schwer darüber zu schreiben und es macht mich sehr traurig, dass wir es nicht schaffen zusammenzuhalten. Wozu das Ganze? Als Einheit haben wir viel mehr Chancen etwas zu bewirken. Es nützt keinem, andere auszugrenzen. Keiner möchte das.

Niemand weiß, was die andere schon durchgemacht hat – von mir wissen ja einige schon etwas. Dass ich durch Sport und Ernährung abgenommen habe. Dass ein langer Weg und harte Arbeit hinter mir liegen und es tagtäglich neue Motivation kostet, mich aufzuraffen. Und es geht vielen so – nur sagen sie es nicht.

Ob mit über 150 Kilo oder mit 60 Kilo – wenn ich an Lipödem erkrankt bin, habe ich ein recht mich zu äußern. Ob Stadium 1 oder 3 – wir alle leiden darunter!

Der erste Schritt sollte also bei uns selber liegen.

Ich schreibe dies bewusst für die Patienten, die etwas weniger an Gewicht aufbringen, die noch am Anfang stehen, die nicht wahrgenommen werden. Wir würden uns etwas mehr Toleranz in diesem Bereich wünschen – niemand steckt in der Haut eines anderen.

Ich möchte das ganze Thema mit einem Sprichwort abschließen:

„Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“

 

Handschrift Anja

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Author: annichen1989

Ich bin Anja und wurde am 10.02.1989 in Schwedt an der Oder geboren. Ich komme somit aus dem schönen Brandenburg. Beruflich bin ich tätig als Kauffrau für Bürokommunikation, ich unterstütze 2 Unternehmen mit meiner Arbeitskraft. Nebenbei bin ich als Künstlerin im Bereich Manga tätig. Ich wurde von der lieben Caroline eingeladen mich an diesem Blog zu beteiligen. Mir macht es Spaß, meine Gedanken zu teilen und ich hoffe, dass unsere Krankheit dadurch auch bekannter wird.

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  • Sehr schön geschrieben! Ich finde dieses auf- und abwerten von Krankheiten ganz schlimm… Wenn jemand Lipödem hat, egal in welchem Umfang, dann kann er einem nur leid tun.

    Ich finde auch, dass wir Betroffenen viel mehr zusammen halten sollten, um gemeinsam stark zu sein und etwas zu erreichen.

    Vielen dann für deine Worte, liebe Anja 🙂

    Liebe Grüße
    Friederike

    • Liebe Friederike,

      ich freue mich sehr das wir einer Meinung sind. Hoffentlich schaffen wir es irgendwann alle an einem Strang zu ziehen 🙂

      LG Anja

  • du sprichst mir aus der seele…bin stadium 1, hab größe 36-38 und ca. 58 kg. konnte heuer schon paar kilos loswerden, mach viel sport… und dann wurde ich von der kasse abgelehnt, weil die probleme „nicht objektivierbar“ sind! ich hab immer wieder darauf hingewiesen, dass ich teils starke schmerzen hab und rein vom optischen her eine op absolut nicht nötig hab…hat die kasse auch nicht beeindruckt 🙁 ich lass mich in gut einem monat trotzdem operieren und dann fang ich mein neues leben an 🙂 danke für deinen artikel! [die hater unter den mitleidenden sind echt zum kotzen! auf der einen seite sind sie sehr viel empfindlicher, wenn man sie anspricht auf z.b. gewicht und auf der anderen teilen sie ohne ende aus…scheiß drauf!]

    • Liebe Marie,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich wünsche dir Alles erdenklich Gute für deine OP, ganz viel Kraft! Ich freue mich mit dir das du den Schritt in dein neues leben beginnst 🙂

      Krankenkassen die nicht helfen und Hater brauchen wir nicht! Tschakka!

      LG Anja

  • Danke für diesen Artikel! Ich halte die Info das ich mit Lipödem ca 10kg. abgenommen habe immer hinter dem Berg weil so viele sagen abnehmen geht mit Lipödem nicht, Punkt! Natürlich ist das Lipfett noch da aber es macht einen riiiesen unterschied zu vorher

    • Hallo Franzi,

      Danke für deinen Kommentar! Ich finde du kannst stolz auf deine Abnahme sein – 10 Kilo sind eine Menge. Ich hoffe das sich bald im Umgang von Patient zu Patient etwas tut und man offen über alles reden kann.

      Liebe grüße
      Anja

    • Liebe Franz,
      ich habe auch schon komische Reaktionen geerntet. Ich selbst habe in den letzten 2 Jahren 25 Kilo abgenommen und da geht definitiv noch mehr. „Na dann kann ich ja kein Lip haben, mit Lip kann man ja nicht abnehmen“ ist der Spruch den ich öfter zu hören bekomme. Ausserdem bin ich „als Selbstbetroffene nicht empathisch“ weil ich der Meinung bin mit ein bisschen Bewegung und kontrollierter Ernährung bekommt jeder zumindest das überflüssige echte Fett weg, „unterstelle ich anderen faul zu sein“. Eigentlich bin ich nicht auf den Mund gefallen, aber bei solchen Kommentaren stellt mein Gehirn die Funktion ein. Inzwischen halte ich mich zurück und beobachte die anderen Leidensgenossinen und nur da wo ich denke „die“ könnte mentale Unterstützung brauchen, der erzähle ich meinen Weg. Liebe Franz 10 Kilo sind toll und ein Riesen Schritt, mach weiter so. Es geht langsam, aber auch die kleinen Schritte bringen uns vorwärts. Manchmal hängt man auch durch, das macht nichts, solche Zeiten muss es auch geben. Wichtig ist man kann sich wieder aufraffen und weiter machen. Liebe Grüße Christine