Lipödem und Lymphödem in den Wechseljahren III – Jahre, in denen das Leben weitergeht

Vor einigen Wochen schrieb mich Ursula (@ursel_at_home) auf Instagram an, ob sie mich etwas fragen dürfte. „Natürlich“, schrieb ich zurück. Schließlich hatten meine Tochter Charice und ich unsere Seite Lipomaedels erstellt, um unseren Umgang mit Lipödem zu zeigen, Fragen zu beantworten und einfach unser Leben damit zu teilen. Die kommende Frage führte jetzt dazu, dass ich hier vor einer recht leeren Seite sitze und nicht so recht, weiß was ich schreiben soll.

Mit wem sprichst Du über Deine Wechseljahre mit Lipödem und würdest Du einen kleinen Beitrag schreiben?

Äh, Wechseljahre? Gute Frage. Also eigentlich spreche ich mit niemandem über Wechseljahre. Gut, so flapsig mal mit meinen Freundinnen. Aber das ist dann eher kein richtiger Austausch. Mit dieser kleinen Frage hatte mich Ursula frontal erwischt. Wir hatten dann ein richtig tolles Videogespräch und ich hab mich zum ersten Mal über das Thema Wechseljahre mit Lipödem unterhalten. Warum ist das eigentlich so? Diese Frage beschäftigt mich nun seit ein paar Wochen.

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Wechseljahre? Ich bin doch erst … tja, 51. Also doch nicht mehr so ganz jung, muss ich zugeben und das Alter für Wechseljahre ist das definitiv. Ich bin eigentlich niemand, der mit seinem Alter hadert, aber Wechseljahre ist ja nun wirklich kein cooles Wort. Zumindest ist es nicht positiv behaftet. In meinem Kopf hörte sich das nach Untergangsstimmung und Ende an. Mein Gehirn blinkte ganz kurz mit Alarmleuchte auf, aber dann tat es seine Arbeit.

Was bedeutet Wechseljahre?

Wechsel definitiv. Jahre ist ein längerer Abschnitt. Stimmt auch. Natürlich hatte sich die letzten Jahre viel verändert. Das Leben hat sich „gewechselt“. Es dreht sich nicht mehr alles um die Kinder. Die sind mit 19 und 25 jetzt erwachsen und gehen ihren Weg. Zeit für Mama ihren neuen Weg zu finden. Mein Weg hängt sehr eng mit dem Lipödem zusammen.

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Späte Diagnose

Meine Diagnose Lipödem habe ich erst sehr spät erhalten, mit 47. Davor war ich einfach die Übergewichtige, die jede Diät kennt, jeden Fitnesstrend mitgemacht hat und trotzdem mit den Jahren immer weiter zugenommen hat. Mit 46 hatte ich mich nochmal entschlossen, konsequent etwas gegen mein Übergewicht zu unternehmen. Ich ging ins Fitnessstudio und schloss einen Vertrag ab. Das Tolle an diesem Studio war, dass es ein angeschlossenes Schwimmbad mit täglichen Kursen im Wasser hatte. Mein Ziel war mindestens 3 x die Woche Sport. Keine Ausreden.

Sehr schnell merkte ich, wie gut die tägliche Bewegung mir tat

Ich hatte mich auf 2 Stunden 5 x die Woche gesteigert. Zusätzlich war ich täglich immer länger mit meinem Hund spazieren. Die Schmerzen in den Beinen führte ich einfach auf die Bewegung mit meinem Körpergewicht zurück. Recht schnell gingen die ersten Wochen 14 kg weg, für die nächsten 6 kg brauchte ich fast ein Jahr. Nach 1,5 Jahren intensivem Training hatte ich eine Trainerstunde im Fitnessstudio mit Körperanalyse. Mein Trainer meinte,

„Du solltest Deinen Körperfettanteil nochmal von einem Arzt checken lassen. Es zeigt mir Muskeln an, Wasseranteil, aber das mit den Fettwerten stimmt so irgendwie nicht. Hast Du schon mal von Lipödem gehört?“

Jetzt bin ich total abgedriftet. Also kurz gesagt, so kam es überhaupt erst zu meiner Diagnose, die ich dann von einigen Ärzten abchecken lies. Seit dem hat sich meine Sichtweise auf meinen Körper geändert. Ich erwarte gar keinen perfekten Körper mehr. Ich mache nur noch für mich Sport und weil es mir gut tut. Ich brauche keine Modelfigur. Ich trage Kompression, weil es mir gut tut und wenn sie mich stört, lass ich sie wie 51 Jahre davor weg. Und ich geh zur Lymphdrainage, weil es mir sehr gut gegen die Schmerzen hilft. Ganz schön oft das Wörtchen ich. Vielleicht geht es auch darum in den Wechseljahre mit Lipödem. Das eigene ich wiederfinden.

Wenn die Wechseljahre im Alltag mit Lipödem untergehen

Jetzt hab ich viel über meine Diagnose Lipödem erzählt, aber noch nichts zu den Wechseljahren. Vielleicht ging das alles bei mir etwas unter. Ich hab mich so intensiv mit Lipödem beschäftigt, dass ich auf sonstige Veränderungen wenig geachtet habe. Zusätzlich habe ich mir im November 2019 das Knie sehr schwer verletzt. Eigentlich ein Totalschaden, der wiederum von Corona und einem schweren Herzinfarkt meines Mannes überlagert wurde. Über Wechseljahres Symptome hab ich erst die letzten Wochen nachgedacht. Ja, meine Periode kommt sehr sporadisch. Ich hatte aber noch nie einen gleichmäßigen Zyklus. Ja, sie war auch schon mal so stark, dass ich das Haus lieber nicht verlassen wollte. Schon immer wuchs an meinem Kinn das eine oder andere vorwitzige Haar, jetzt hat es Kumpels dabei. Die Pinzette ist mein ständiger Begleiter. Alles Dinge mit denen ich gut Leben kann.

Mein Lipödem hat definitiv wieder einen Schub gemacht.

Schleichend hat es sich ungefragt am Unterbauch angesiedelt und die Arme explodieren lassen. Das genaue Ausmaß kann ich nicht beziffern, weil ich zugeben muss, das ich die letzten Lockdown Monate auch einfach fauler war. Stimmungsschwankungen nehme ich keine wahr. Das liegt vielleicht daran, dass wir gerade alle in so einer Ausnahmesituation leben. Was ich aber auf jeden Fall feststelle, ist dass ich manchmal richtig erschöpft bin. Sind das die Wechseljahre mit Lipödem oder die Sorgen um meinen Mann? Fehlt mir einfach in diesen Coronazeiten mein Fitnessstudio und mein Schwimmbad?

Ich kann es Euch nicht sagen. Fakt ist, die Frage von Ursula arbeitet weiter in mir. Der Wechsel geht auf jeden Fall weiter. Bis jetzt hab ich mir vorgenommen, es locker zu sehen. Es ist keine Krankheit, sondern einfach eine Veränderung. Ich werde in mich hineinhören, mir Pausen gönnen, mich mit Öffnung der Bäder und Studios wieder fitter bekommen und so viel Genießen wie möglich.


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Author: Sylke Welz-Dambacher

Ich wohne im Herzens Bayerns bei Ingolstadt. Bin ein lebensfroher, kreativer Mensch, der seine Zeit am liebsten mit Familie und Freunden verbringt. Ich liebe alle Sportmöglichkeiten im Wasser, Fitnessstudio. Ich liebe den Sommer, die Berge und meine Haustiere. Durch Corona komm ich mit Lesen, Stricken und Instagram (@lipomaedels).

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  • Hallo Sylke,

    danke, für deinen Artikel!

    Auch ich kann bestätigen, dass mit den Wechseljahren mein Lipödem zugenommen hat. Genau wie bei dir, passiert mir das in Schüben. Plötzlich kommt nach Monaten die Regelblutung wieder und kurz darauf habe ich dann das Gefühl, das Lipödem hat wieder leicht an Umfang gewonnen. Vor den Wechseljahren war es eher ein langer schleichender Prozess.
    Mittlerweile ist es auch bei mir an den Armen angekommen und ich habe dort jetzt genauso oft plötzlich blaue Flecken wie an den Beinen. Vom Umfang rede ich erst gar nicht (Hallo Winkearm!) Und wie bei dir, hat sich der Bauchumfang auch anders verändert. Ich war schon lange nicht mehr schlank und das eine oder andere Corona-Kilo hat sich da auch angesiedelt, aber einen so dicken Bauch hatte ich früher bei gleicher Gewichtsklasse nie. Scheint fast so, als tausche man die eine Last (Regelblutung) gegen die andere (Lipödemzunahme) aus. Schlechter Deal. Es ist frustrierend, seinen Körperumfang wachsen zu sehen und nur begrenzt etwas dagegen tun zu können. Zu schnell ist man wieder in der Spirale Frust- und Kummerspeck anfressen. Deswegen hoffe auch ich inständig, dass wir Corona bald wieder soweit in Schach haben, um wieder schwimmen oder ins Fitnessetudio zu gehen. Sport zu Hause ist halt doch nicht dasselbe. Auch wenn es nicht viel am Lipödem ändert, so tut es doch der Seele (und der restlichen Gesundheit!) gut und dann lebt es sich auch wieder leichter mit dem Mitbewohner Lipödem.

    In diesem Sinne, bleibt alle gesund!

    • Hallo Steffi, danke für Deinen Kommentar. Genauso wie Du es schilderst empfinde ich die Lipödemschübe auch. Die Wechseljahre scheinen da nochmal Rich etwas auszulösen. Drücken wir uns allen die Daumen, dass die Bäder und Sportstätten bald öffnen können. Ich setze viel Hoffnung darauf. Das Daheim Sportmachen ist wirklich nur ein kleiner Ersatz. Ganz liebe Grüße Sylke

    • Hallo, ich freue mich über Deinen Kommentar. Er ergänzt perfekt meinen Bericht. Genauso ist es. Der Frust steigt tatsächlich grad wöchentlich. Ich hoffe wirklich sehr, dass die Bäder bald wieder öffnen und mein Körper darauf wieder positiv reagiert. Ich bekomm den Hintern einfach daheim nicht hoch, um genug Sport zu machen. Im Moment ist es echt Arbeit am Kopf. Aber wir schaffen das. Ich setzte auf einen guten Frühling. Liebe Grüße Sylke

  • Vielen Dank für deinen ehrlichen interessanten Beitrag. Ist nicht so einfach mit den Jahren mitten im Wechsel. Bin da glaub ich auch schon drin. Davor und schon dabei und wieder davor. Ich lasse mal viele Grüße da. Bleib gesund und alles Gute. Wünscht Claudia

  • Schreiben Sie von mir? Man könnte Ihren Vornamen durch meinen ersetzen und zwar, Punkt für Punkt, inkl Sorge um den Mann. Ich bin 49 und habe aktuell das Gefühl die Beine explodieren inkl. Knieschädrn. Alles Liebe für Sie. Liebe Grüße Tanja