Schmerzmedikamente bei Lipödem – Alles tut weh

Seit ein paar Tagen geistert mir ein Thema durch den Kopf, das für mich wirklich belastend war und mir eigentlich jetzt, drei Jahre später, erst so richtig bewusst wird.

Zum einen, weil ich mich seit einem Jahr psychologisch betreuen lasse und so ein Stückchen näher zu mir selbst gerückt bin. Zum anderen, weil mir im Zuge der vielen Infos verschiedene Aspekte unserer Erkrankung bewusster werden.

Für mich war vor der Diagnose über viele Jahre ein heftiger Schmerzzustand allgegenwärtig. Ich habe gelitten, schaffte mein Tagespensum kaum und abends holte die totale Erschöpfung mich ein.

Und dann gab es nur eine „Lösung“: Schmerzlindernde Medikamente!

Sind Schmerzmedikamente bei Lipödem nun wirklich die Lösung?

Jede betroffene Frau wird in diesem Thema sicher ihre eigenen Erfahrungen machen – von meinen Erfahrungen möchte ich euch gerne berichten.

schmerzen mit lipödem schmerzmittel

Vor der Diagnose waren für mich die Schmerzen in Beinen und Armen, das Schweregefühl, Druckschmerzen, Berührungsschmerzen, aber auch Erschöpfung und Antriebslosigkeit an der Tagesordnung. Und leider verschlimmerte sich der Zustand schleichend über Jahre hinweg. Durch zwei Schwangerschaften explodierte das Lipödem regelrecht. Leider wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, dass es die Erkrankung überhaupt gibt.

Ibuprofen begleitete mich. Um meinen Arbeitstag zu schaffen, nahm ich Schmerzmedikamente. Um abends noch Kraft für Einladungen zu haben, um weiter am sozialen Leben teilnehmen zu können, nahm ich Schmerzmedikamente. Vor Ausflügen, Radtouren nahm ich Schmerzmedikamente. Um mein Arbeitspensum auf dem Hof zu schaffen, nahm ich Schmerzmedikamente.

Eine Erinnerung, die mich traurig macht.  

Die Diagnose im Frühjahr 2016 hat in meinem Kopf viel verändert.

Mir wurde bewusst, dass die Schmerzmedikamente bei Lipödem mir nicht die Schmerzen nahmen, sondern lediglich die Schmerzen linderten und dadurch soviel Energie und Kraft frei wurde, um mein Alltagsprogramm weiter durchzuziehen.  

Ich musste anfangen umzudenken. Ich habe gelernt, Schmerzzustände auch ein stückweit zuzulassen und die Diagnose, die dazugehörigen Symptome haben mir die Kraft gegeben, mein Leben aus einer anderen Sicht zu sehen.
Es gibt nun eine ärztlich verordnete Bedarfsmedikation. Meine berufliche Situation ist meiner Leistungsfähigkeit angepasst. Die konservative und später auch operative Therapie hat mir einiges an Kraft wiedergegeben.

Ich habe aufgehört, gegen meinen Körper zu kämpfen! Ich habe meinen Alltag, meine Lebenseinstellung, meine berufliche Situation, meine privaten Aktivitäten meiner Leistungsfähigkeit angepasst und nicht mehr meinen Körper dazu gezwungen, weiter zu funktionieren.

Ich bin spontaner geworden, aber auch zurückhaltender und ich habe gelernt „Nein“ zu sagen, ohne im Anschluss ein schlechtes Gewissen, traurige Gefühle zu haben und ein emotionales Tief anzusteuern.

Mein Umgang mit der Erkrankung ist also die Lösung!

Nicht die Schmerzmedikamente bei Lipödem haben mir geholfen, sondern mein neuer Weg aufgrund der Diagnose.

Gute Tage nutze ich, fühle mich kraftvoll und könnte Bäume ausreißen, an schlechten Tagen bremse ich, lasse sie zu.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

Ein sehr sensibles  Thema, aber wie geht ihr mit Schmerzzuständen um? Braucht ihr Schmerzmittel bei Lipödem? Habt ihr andere Mittel und Wege gefunden, den Alltag und die Schmerzen miteinander zu verbinden? Kennt ihr das schlechte Gewissen, wenn Verabredungen abgesagt werden müssen, weil ihr es einfach nicht schafft? Kennt ihr die Angst, euren Kindern nicht gerecht zu werden?

Manchmal erschweren weitere Erkrankungen zusätzlich den Weg. Wir alle müssen oft sehr tapfer sein, seid vorsichtig mit Euch und eurem Körper. Füttert eure Seele immer mal wieder auch mit guten Gedanken!

Alles Liebe – eure Judith

judith drügh

Author: Judith Drügh

Mein Name ist Judith Drügh, ich bin 39 Jahre alt, verheiratet und habe 2 Söhne – wir leben auf einem Bauernhof in der schönen Eifel. Betroffen von Lip-Lymph seit mindestens 20 Jahren, diagnostiziert und therapiert seit Frühjahr 2016. Ich habe fast 20 Jahre in meinem Herzensjob als Erzieherin gearbeitet, bin an Grenzen gestoßen, habe unter meiner fehlenden Leistungsfähigkeit stark gelitten. 2018 kam die berufliche Umorientierung. Als Produktberaterin Lymphologie arbeite ich nun im Sanitätshaus und berate Kundinnen mit der gleichen Erkrankung, kläre auf, nehme Ängste, unterstütze, fange auf. Wir alle sind durch die Erkrankung fest miteinander verbunden, weil wir uns gegenseitig verstehen. Passt gut auf euch auf!

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  • Danke für deine Zeilen!!!
    Bei mir laufen die Tränen während ich diese Zeilen schreibe.
    Zum einen, weil ich deine Geschichte nur zu gut verstehe und ich sie fast eins zu eins unterschreiben kann. Zum anderen vor Erleichterung, das ich nicht verrückt bin und mir was Einrede. Aber auch die Hoffnung zu haben auch für meine Familie und mich einen Weg zu finden.

  • Ich kann deine Geschichte auch nur zu gut verstehen… Ich fühle genauso. Jeder Tag ist ein Kampf und schwach sein geht nicht denn ich muss für meine Familie da sein. So wie du und viele andere…
    Es ist gut zu wissen das ich damit nicht allein bin. Denn bisher dachte ich das ich es mir nur einbilde…
    Danke liebe Judith