Bio Balance Neuro-Reset Training: die ideale 3-Minuten-Routine für Ödempatienten

Auf der FIBO 2023, der weltweit größten Messe für Gesundheit und Fitness, habe ich mich als Fachbesucher umgesehen – immer auf der Suche nach neuen Ideen, die auch und gerade für uns Lip- und Lymphödempatienten nützlich und umsetzbar sind.

Und das fand ich in der „Body und Mind Area“ bei dem Neuro-Reset-Vortrag mit anschließender Anleitung von Sven Huckenbeck, dem Sportwissenschaftler und Entwickler des Bio Balance Konzepts: Seine drei effektiven und einfachen Übungen erleichtern es besonders Sportanfängern und frisch diagnostizierten Lip- und Lymphödempatienten eine tägliche Routine aufzubauen. Ziel ist neben verbessertem Lymphfluss, eine
artgerechtere balancierte Körperhaltung.

Ich stelle sie Euch hier auf lipoedemmode.de vor, weil sie herausstechen aus einer Vielzahl komplexer und komplizierter gymnastischer Programme aus Yoga, Tai-Chi, Pilates, Stretching und Mobility und was alles sonst so angeboten wird. Alles, was viel Zeit in Anspruch nimmt und nicht sofort klappt, ist für Ungeübte schwer durchzuhalten. Diese Übungen vereinen Erkenntnisse aus allen Bewegungskonzepten und sind in nur drei Minuten einfach durchzuführen, an jedem Ort und auch ohne Sportkleidung!

Warum Neuro-Reset?

Bewegungsmangel und schlechte Kondition machen es uns schwer, mit Sport anzufangen. Es kommt zu Funktionsstörungen, überall hakt und zwickt es. Eigentlich ist der Mensch ein Lauftier, aber wir verbringen sehr viel Zeit im Sitzen. Das verkürzt die Muskelkette vorne entlang der Lymphbahnen und Meridiane. Infolgedessen verkümmern Muskeln und Beweglichkeit.

Für uns Lymphies wichtig: Ohne ausreichende Bewegung kann das Lymphsystem als Stoffwechselorgan Nr. 1 nicht genug Stoffwechselabbauprodukte abtransportieren und die Ödeme zum Abschwellen bringen! Wir brauchen genügend Muskel- und Atemhygiene und Faszienaktivierung, um Barrieren und Eiweißansammlungen abzubauen (siehe Artikel „Ziemlich beste Freunde: Atemübungen für das Lymphsytem“, Lipoedemmode 2019).

Neuro-Reset Training stimuliert den gesamten Körper und erreicht den Organismus auf biomechanischer, neurologischer, lymphatischer und auch emotionaler Ebene.

Zur Praxis des Neuro-Reset

Zu Anfang ließ Sven Huckenbeck uns unseren Stand überprüfen: Beide Füße auf gerade Linie direkt hintereinander positionieren, die Arme seitlich in Schulterhöhe ausgestreckt, Blick nach vorne. Dann hieß es „Augen drei Sekunden schließen“, erst mit dem einen, dann dem anderen Fuß vorne. Mein Ergebnis: ich selbst konnte mit dem rechten Fuß vorne gut stehen, mit dem linken Fuß vorne kam ich ins Schwanken und wackelte. Ein Zeichen, dass irgendetwas mit meiner intramuskulären Koordination nicht stimmt. Das Zusammenspiel zwischen Nervensystem und Muskeln funktioniert nicht und ich bin nur einseitig ausbalanciert. Das kann eine Folge der Operationen in meinem Rumpf sein, das kann auch signalisieren, dass ich körperlich einseitig belastet bin – zum Beispiel durch das Gewicht meiner E-Bässe auf der linken Schulter, die gute 4–6 Kilo auf die Waage bringen!

Drei Neuro-Reset-Übungen auf dem Prüfstand

Nach den folgenden drei Übungen wird der Test wiederholt. Das Ergebnis sollten wir nach einem Monat täglichen Trainings vergleichen und ggf. dem Referenten melden – (was ich hiermit gerne tue: Ich stehe tatsächlich sicherer, mir wird nicht mehr schwindelig, und ich bin in der Rumpfdrehung beweglicher geworden, was angesichts meiner Arthrose und sonstigen täglichen Trainings ein echter Fortschritt ist)

Für Lymphies heißt es jetzt: Anlymphen in der Halsbeuge wie vor jeder MLD und Aktivierung und Übung Nr. 1

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Aufrecht stehen, die Füße hüftbreit parallel, Knie strecken. Hüfte und Becken gerade (Beckenboden anspannen, Bauchnabel nach innen/oben ziehen), Rumpf gerade und besonders bewusst aufrichten zwischen Scham- und Brustbein. Beim ersten Mal zuerst vorsichtig den Rumpf nach hinten lehnen, quasi wie beim „reversen Lehnen über den Gartenzaun“, zurück, dann die Arme parallel über den Kopf führen, Hände gestreckt, Daumen zeigen nach hinten – und jetzt weit nach oben/hinten beugen. Am tiefsten Punkt Position halten bis zum Zittern, Beine gestreckt halten. Nach 5 Atemzügen Haltung langsam auflösen und den Körper kurz durchbewegen.

Das war die Dehnung der vorderen Kette von Muskeln, Faszien und das Aktivieren der vorderen Lympbahnen.

Neuro-Reset Übung Nr. 2

Die Ausgangsposition bleibt gleich, mit Füßen hüftbreit parallel und geradem Rumpf. Die Arme wandern wieder neben den Ohren nach oben, aber wir beugen uns vom Hinterkopf bis zum Gesäß in gerader Linie nach vorne, soweit es geht, Nase und Blicke nach unten. Wieder fünfmal atmen und vorsichtig wieder die Haltung auflösen, ggf. den Rumpf mit den Händen auf den Oberschenkeln abstützen, Rücken beugen und strecken, aufrichten. Diese Übung streckt und kräftig rückwärtige Bein- und Rumpfmuskulatur.

Neuro-Reset Übung Nr. 3

Diese Übung ist komplexer: Wir gehen in ein große Schrittstellung, Füße parallel, aber hüftbreit diagonal versetzt, Zehen zeigen wieder nach vorne. Die hintere Ferse anheben, das hintere Knie strecken, das vordere Bein beugen (Achtung: Ober- und Unterschenkel bleiben in offenem Winkel). Achtet darauf,
dass Hüfte und Schultern gerade nach vorne ausgerichtet sind, hebt wieder beide Arme – aber jetzt dreht den Oberkörper langsam über das vordere Bein zur Seite, beugt Euch dann nach hinten! Rumpf und Wirbelsäule werden verdreht, beide Arme und Hände strecken sich bis in die Fingerspitzen nach
hinten/oben, der Blick geht nach oben: stellt Euch vor, Ihr atmet durch Mund und die Fingerspitzen nach oben und in das Universum aus und ein (eine Vorstellung, die es mir in meiner aktiven Zeit im Bühnentanz erleichterte, imaginären Kontakt zum Publikum herzustellen). Wieder 5 Mal durchatmen und wieder zurück, das Gleiche dann mit dem anderen Bein vorne und zur anderen Seite geneigt.

Der Effekt stellt sich schnell und nachhaltig ein: Die Haltung wird aufrechter, Verspannungen lösen sich und das Atmen fällt leichter. Nach drei Wochen täglichen Praktizierens solltet Ihr beim aufrechten Stehen
mit geschlossenen Augen nicht mehr oder zumindest weniger zittern – die Neurostimulation wirkt.
Sven Huckenbeck ist diplomierter Sportwissenschaftler, vielfach international ausgezeichneter SPA-Manager und SPA Direktor des Hotels König Ludwig in Schwangau im Allgäu. Mehr zu ihm, seinen Tätigkeiten und lebendigen Vorträgen erfahrt Ihr unter anderem auf seinem Insta Profil @sven_huckenbeck.

Mich hat seine geniale Neuro-Reset Übungsfolge als tägliche Muskelhygiene überzeugt, weil sie mir Klarheit über mein Defizit gebracht hat, ich mich nach diesen Bewegungen gut durchgestreckt fühle, ich aufrechter stehen und besser durchatmen kann. Der perfekte Start in den Tag!


Viel Spaß und Erfolg beim Nachmachen,
wünscht Euch
die Ursula


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ursula thomé

Author: Ursula Thomé

Hallo, ich bin Ursula Thomé, geboten 1956. Bei mir entwickelte sich nach Krebsoperationen sekundäres Lymphödem an Bauch, Leiste und Oberschenkel. Ich bin Altphilologin, war Lehrerin und nebenberuflich an Ballettschulen und in Sportstudios tätig. Musik und Sport begleiten mich auch im (Un-)Ruhestand: ich jobbe weiter in einem Fitnessstudio, wo ich Ödempatienten und Rehasportler begleiten kann, und ich stehe weiter am Bass auf der Bühne. Seit 2017 trage ich Kompressionsversorgung. Carolines Blog half mir mit wertvollen Informationen sehr, Hindernisse und Probleme im Zusammenhang mit meinen Ödemen zu meistern. Ich liebe meine farbigen Kompris – am liebsten mit Mustern und Schmuckkristallen in rockigem Outfit (auch offen auf der Bühne). Sie engen mich nicht ein, sondern sie helfen und unterstreichen meine Kleidung und meine Stimmung und ermöglichen mir weiter ein aktives und erfülltes Leben.

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  • Wollen sie den Ursprung des Konzepts kennen lernen? Das von mir entwickelte Konzept heißt INKOBE, ist eine Marke und wird von mir ausgebildet. Herr Huckenbeck hat das Programm ungeniert übernommen! Dieses Jahr finden Ausbildungen in der Schweiz statt! SPAS-S heißt der Verband!