Selbstliebe vs. Selbstakzeptanz

Selbstliebe, auch Eigenliebe, bezeichnet die allumfassende Annahme seiner selbst in Form einer uneingeschränkten Liebe zu sich selbst. Der Begriff ist sinnverwandt, jedoch nicht vollständig synonym, mit Begriffen wie Selbstannahme, Selbstachtung, Selbstzuwendung, Selbstvertrauen und Selbstwert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstliebe

Ja, Selbstliebe ist in aller Munde, doch jedes Mal, wenn ich es höre, bringt es mich zum Grübeln. Wikipedia formuliert genau das, wo mich wahrscheinlich der Schuh drückt. Denn „uneingeschränkte Liebe“ ist so blind und unkritisch, dass ich mir den Schuh eigentlich am liebsten gar nicht anziehen möchte. Nur weil es an mir dran oder in mir drin ist, heißt es nicht automatisch, dass es so bleiben soll oder muss.

Muss ich mich denn unbedingt selbst lieben? Reicht es nicht vielleicht doch, mich einfach nur zu Akzeptieren und mir eine Tür für Verbesserung offen zu halten? Wie wäre es vielleicht mit Frieden, Waffenstillstand, innere Ruhe einkehren lassen als großes Ziel?

Selbstliebe für die Seele –
Faszination für den Körper

Ich akzeptiere meinen Körper, aber ich liebe meine Seele, meinen Charakter. Gut, manche Macken mag ich nicht, aber dann gehe ich diese Schwächen an und versuche mich zu bessern. Sie zu kennen und zu registrieren, ist schon der erste richtige Schritt.

Ich muss nicht voller Euphorie in meine Speckrollen kneifen und mir auf den Arsch hauen können, um im Einklang mit mir selbst zu leben. Ich will mir mein Übergewicht auch nicht einfach schön reden, weil es tagtäglich sämtliche Krankheitsrisiken erhöht.

Das heißt nicht, dass ich meinen oder andere Körper einfach nur hinnehme. Ich nehme sie sehr gerne wahr, bewundere sie für ihre Stärke, lasse sie auf mich wirken und entdecke, welche Geschichten die Narben und Formen erzählen. Die Vielfalt ist etwas wundervolles und die gilt es zu jederzeit zu bewundern und stets zu akzeptieren.

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Akzeptanz ist nicht so hochgestapelt wie das Wort „Liebe“. Akzeptanz bedeutet für mich, dass ich mich mit dem Ist-Zustand als solchen abfinde und auf ihm aufbauen kann. Es ist die Balance, die wir finden sollten, nicht die Euphorie, denn die braucht deutlich mehr Energie, um gefüttert und aufrecht gehalten zu werden.

Einklang heißt Ruhe, Entspannung für deinen Geist. Sich nicht dauernd darum Gedanken zu machen, ob die anderen sehen könnten, dass ich zehn Kilo mehr als letztes Jahr drauf habe. Es ist ihnen doch egal, also sollte es mir das auch sein. Nicht, wieder mehr Übergewicht zu haben, sondern die Außenwirkung. Ich für mich möchte irgendwann ein Normalgewicht erreichen, das ist seit jeher mein großer Wunsch. Ich weiß, eines Tages erreiche ich dieses Ziel und es wird sich gelohnt haben.

Bis dahin behandle ich meinen Körper respektvoll, meine Seele wie einen Schatz und spare mir meine Euphorie für die Menschen da draußen auf, die genau das in mir auslösen, wenn sie mir sagen:

„Du bist wundervoll, genau so wie du bist. Weil du bist.“


Model: Caroline Sprott | H&M: Jasmin Fronholt | Fotografin: Silvana Denker | Sponsoren: Dr. med. Olaf Deling / Curameum, Sanitätshaus Gäher, Sanitätshaus Janarium, Sanitätshaus Binn GmbH

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Author: Caroline Sprott

Ich bin Caroline, 1989 geboren und wohne im Mittelhessischen Wetzlar. Warum habe ich den Lipödem Mode-Blog ins Leben gerufen? Am Anfang meiner Diagnose stand ich völlig hilflos vor einer ungewissen Zukunft. Jetzt, einige Jahre später, habe ich durch die aktive Anteilnahme in Selbsthilfegruppen und viel Recherche einen Erfahrungsschatz ansammelt, den ich gerne an einem Ort gebündelt anderen Betroffenen zugänglich machen möchte – ohne den Umweg über private Gruppen bei Facebook. Die modische Komponente ist natürlich meinem Hobby geschuldet. Ich versprach mir damals selbst, mich niemals von der Kompressionsbestrumpfung einschränken zu lassen. Diese Einstellung macht anderen Patientinnen Mut und so riet mir Michaela dazu, einen Blog ins Leben zu rufen.

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  • Liebe Caro, vielen Dank für deine schönen, berührenden Worte. Die Bilder sind unglaublich schön geworden. Auch für diesen Mut vielen Dank. ich kann kaum absehen, was so eine Öffentlichkeit nach sich zieht. Deine Worte und Bilder helfen mir immer wieder, meinen Körper mit meinem Lipödem anzunehmen und mit ihm statt gegen ihn zu leben. Liebe Grüße, Silke

  • Liebe Caro,
    schön geschrieben und beschrieben. Auch ich versuche m einen Körper zu akzeptieren. Gelingt mir das? Mal mehr mal weniger gut. Ich bin von jeher kritisch mit meiner Figur und ich weiß nicht ob ich das je ablegen werden kann.
    Aber was fasziniert mich an anderen Menschen in meinem Umfeld? Liebe ich meinen Mann, wegen seinem Äußeren? Nein… sicherlich habe ich mich auf Grund seines Aussehen in ihn verliebt. Lieben gelernt habe ich seinen Charakter, seinen Humor, seine Ruhe. Er sieht nicht mehr aus wie vor 30 Jahren aber das ist auch egal. Der Körper und die Seele haben in dieser Zeit viel erlebt und dadurch auch Narben erhalten…. auch die liebe ich. Und so schätze und liebe ich die Menschen die mir wichtig sind, mit allen Ecken und Kanten, Narben, Falten und Kilos. Diese Menschen reduzieren mich nicht auf meine Hülle. Das tut gut und gibt Kraft. Das hilft mir auch mich besser zu akzeptieren, gibt mir Ruhe, gibt mir Kraft.
    Ganz oft…. nicht immer…..es wird wohl für mich, immer ein Prozess des Lernens bleiben.
    Liebe Grüße
    Kerstin